Open-Source-Software - Was ist das?
Ins Bewusstsein einer größeren Öffentlichkeit ist der Begriff Open-Source - konkret Open-Source Software - mit dem Erfolg des Betriebssystems Linux getreten. Was ist daran so Besonderes?
- Es gibt keine Firma, die als Hersteller hinter dem Produkt Linux steht.
- Für Linux sind keine Lizenzgebühren zu entrichten.
- Die Programmquellen sind öffentlich zugänglich.
- Jeder weltweit kann an der Entwicklung des Betriebssystems und der dazugehörigen Programme mitarbeiten.
Linux ist nicht das einzige Softwareprodukt, das nach diesem Open-Source Verfahren entwickelt wurde, ein weiteres prominentes Beispiel ist der Apache-Webserver, die Webserver-Software mit dem größten Marktanteil.
Nun ist die Entwicklung von System- und Anwendungsprogrammen ein aufwendiges Unterfangen, es stellt sich also die Frage, warum jemand Software entwickelt, für die er keine Lizenzerlöse erwarten kann? Ursprünglich hatten die Entwickler einfach Softwaremodule entwickelt, die sie selbst für ihre Arbeit benötigten und die es noch nicht gab oder die Ihnen zu teuer waren. Indem sie diese Programme Anderen zur Verfügung gestellt wurden, konnten folgende Effekte zum Tragen kommen:
- Geringe Verbreitungskosten: Da digitale Produkte in einem Netzwerk extrem günstig transportiert und vervielfältigt werden kann, entstehen praktisch keine Kosten für diese Weitergabe.
- Kooperative Effekte: Durch die Zusammenarbeit einer größeren Zahl von Entwicklern, durch die dadurch ausgelösten umfangreichen Tests und Weiterentwicklungen entstehen Produkte mit hoher Qualität und besserer Leistung, als bei einer zentral gesteuerten Entwicklung durch kleine Gruppen.
Dabei ist diese Weitergabe der Programmquellen für die ursprünglichen Entwickler nicht mit finanziellen Nachteilen verbunden: Ihren Zweck haben sie bereits erfüllt, die Weitergabe ist praktisch mit keinen Kosten verbunden und Lizenzerlöse sind in der Regel auch keine zu erwarten oder nur in Verbindung mit einem erheblichen Marketing- und Vertriebsaufwand.
Wie finanzieren sich heute Open-Source Softwareprojekte?
- Durch die Mitarbeit von Studenten und Hochschulangehörigen, die nicht auf Einnahmen aus dem Verkauf der Software angewiesen sind, oder durch eine Finanzierung im Rahmen von Forschungsprojekten; unter diesem Aspekt haben Open-Source Softwareprojekte einen ähnlichen Status wie die öffentich finanzierte Forschung.
- Viele Arbeiten resultieren aus dem Eigeninteresse der Entwickler, die die Produkte ihrer Entwicklung selbst nutzen oder für die die Mitarbeit an einem Open-Source Projekt als Nachweis ihrer Kompetenz und Leistung dient.
- Viele Unternehmen finanzieren eine Mitarbeit an solchen Projekten, da sie Dienstleistungen oder Folgeprodukte auf der Basis von Open-Source Softwareprodukten anbieten.
- Eine weitere Möglichkeit, die heute noch wenig praktiziert wird, ist die Entwicklung von Individualsoftware, die auf bestehenden Open-Source Modulen aufbaut und selbst wieder offengelegt wird. Hier wird die Entwicklung durch den Auftraggeber finanziert, der auf diese Weise nicht nur die von ihm selbst beauftragten Module erhält, sondern auf den gesamten Fundus des Projekts zurückgreifen kann.
Beispiele für Unternehmen, die sich in Open-Source Projekten engagieren sind die IBM, die mittlerweile ein Milliardenbudget für Dienstleistungen im Linux-Bereich bereitgestellt hat, Softwareanbieter wie Lutris ein Hersteller von Application Server Software und die Anbieter von Linux-Distributionen wie Red Hat und in Deutschland SuSE; letztere liefern auch andere Module wie den Apache Webserver installationsbereit mit.
Eine weitere Gruppe sind Linux-Dienstleister, die sich auch an der Entwicklung beteiligen, und Internet-Provider, die ihren Kunden durch ihr Engagement im Linux- und Apache-Umfeld besondere Funktionen anbieten können.
Vorteile von Open-Source Software
- Keine Lizenzgebühren
- Hohe Qualität der Software
- Es wird das entwickelt, was tatsächlich benötigt wird
- Modularität: Die Produkte bestehen aus relativ kleinen, flexibel kombinierbaren Einheiten; dadurch ergibt sich auch eine hohe Wiederverwendung von einmal entwickelten Komponenten
- Einfache Weiterentwicklung entsprechend den Bedürfnissen der Anwender
- Keine Probleme mit Abrechnungsmodellen und Überwachung bzw. Registrierung der Benutzung
Nachteile und problematische Aspekte
- Die Geschäftsmodelle sind in den meisten Fällen (noch) nicht klar oder unzureichend entwickelt. Damit ist ein Engagement in diesem Bereich in der Regel mit einem hohen Risiko verbunden.
- Ein Open-Source Projekt braucht eine kritische Masse wenn keine Nutzer da sind, die die Entwicklung fordern und fördern, kommt das Projekt nicht in Gang; wenn sich zu wenige Entwickler beteiligen, wird es nicht lebensfähig.
- Die Organisation und die Entscheidungsprozesse in Open-Source Projekten sind nicht einheitlich
Weitere Bereiche
Das Open-Source Modell beschränkt sich nicht nur auf den Bereich der Softwareentwicklung, sondern kann prinzipiell überall zum Tragen kommen, wo Informationsgüter entwickelt und ausgetauscht werden, also z. B. bei Texten, Musikstücken (Kompositionen) und Forschungsergebnissen; letzter waren immer schon öffentlich, soweit sie nicht durch Patente geschützt wurden.
Einen Sonderfall stellt die Verbreitung von Musikstücken durch Systeme wie Napster und Gnutella dar. Zwar ist auch hier die Grundlage eine nahezu kostenlose Verbreitung im Internet, es gibt aber keine Möglichkeit für die Nutzer, einen Beitrag zur Verbesserung des Produkts zu leisten. Zum Teil sind aber dennoch ähnliche Effekte zu beobachten, wenn z. B. Musiker die von ihnen aufgenommenen Stücke kostenlos ins Netz stellen, um damit letztlich Eigenwerbung zu betreiben.
Dem Open-Source Phänomen liegen besondere Regeln der Informationswirtschaft zugrunde, die insbesondere aus der kostengünstigen Vervielfältigung und Verbreitung resultieren. Die Auseinandersetzung mit diesen Effekten und Verfahrensweisen ist für alle Unternehmen wichtig, da sie der Markt fordert und nutzt. Sie können außerdem zu interessanten Qualitäts- und Leistungsverbesserung führen, auch wenn sie teilweise massiv im Widerspruch zu klassischen marktwirtschaftlichen Prinzipien stehen.
Bedingungen für das Funktionieren von Open-Source Entwicklungen
- Rasche und eindeutige Überprüfung des Ergebnisses (Vorteil bei Software)
- Große Anzahl der Nutzer für ein Produkt - kritische Masse bei der Anzahl der Entwickler
- Nur bei beliebig zu vervielfachenden digitalen Produkten möglich
